Gasballon? Ja, Sie haben richtig gelesen. In unserem Verein fahren wir neben den Heißluftballonen, ebenfalls Gasballone. Viele denken, wenn Sie einen Heißluftballon sehen, dass es keinen Unterschied zum Gasballon gibt.

Den gibt es aber: Ein Heißluftballon steigt durch die mit Hilfe eines Gasbrenners erhitze Luft in die Höhe, da warme Luft eine geringere Dichte als kalte Luft hat. Der entstehende Unterschied bei der Luftdichte zwischen der heißen Luft in der Ballonhülle und der kälteren  Außenluft, wird als Auftriebskraft bezeichnet. Da 100°C warme Luft aber nur etwa 0,3 kg Auftrieb gegenüber 15 °C warmer Luft besitzt, sind Heißluftballonhüllen sehr groß. Je Personenzahl, die im Ballonkorb mitfahren sollen, ist die Ballonhülle entsprechend dimensioniert.

Ein Gasballon hingegen schwebt vollkommen geräuschlos dahin. Die kugelförmige Hülle ist mit Wasserstoff gefüllt. Da dieses Gas 10 mal leichter als Luft ist, steigt der Gasballon in die Höhe und kann dabei etwa 1kg pro cbm Hülleninhalt anheben. Vergleichbar ist dies mit einem mit Helium gefüllten „Kinderballon.“ Von Wasserstoff haben Sie ganz bestimmt schon einmal etwas in den Medien gehört. Es wird vorwiegend in der Industrie, der Stromversorgung, dem Schiffsverkehr oder auch im Schwerlastverkehr genutzt. Die Verwendung dieses Gases, wird im Zuge der Energiewende vermutlich stark ansteigen werden. So wird es den so genannten „grünen Wasserstoff“ in immer größeren Mengen geben. Er wird mit Hilfe eines mit Ökostrom betriebenen Elektrolyseurs, durch die Spaltung von Wasser in seine Bestandteile, Wasserstoff und Sauerstoff, hergestellt. Doch was hat das ganze mit dem Ballonfahren zu tun? Es gibt uns die Möglichkeit, eine langjährige Tradition möglichst klimaschonend fortzuführen. Unser Gaslieferant, die Westfalen Gruppe mit Hauptsitz in Münster, plant noch in diesem Jahr den Start der Auslieferung von grünem Wasserstoff an seine Kunden. So könnten auch wir schon bald klimaneutral Ballonfahren! Und das wie bereits erwähnt, völlig geräuschlos. Auch sind mit einem Gasballon deutlich längere Fahrtzeiten mit einer Füllung möglich als mit dem Heißluftballon. Beim Gasballon fahren wir etwa 4-6 Stunden und beim Heißluftballon nur 1,5 Stunden, da dann das Gas zum Erwärmen der Luft in der Hülle zur neige geht.  

So sieht ein Gasballon aus. Genau wie bei einem Heißluftballon, hängt unter der Hülle ein Korb. Typisch für einen Gasballon, die kugelrunde Hülle.

Es gibt auch kleinere Gasballone mit 840, 640 und 510 Kubikmeter Inhalt. Der weltweit führende Hersteller von Gasballonen. die mit Wasserstoff gefahren werden dürfen, ist die Firma Ballonbau Wörner aus Augsburg. Auch der Gasballon besitzt einen Korb. Dieser hängt weitaus tiefer als bei einem Heißluftballon, unterhalb der Hülle. Viele einzelne Halteleinen verbinden die Hülle über den sogenannten Korbring mit dem Ballonkorb. Eine Steuerung der Höhe erfolgt nicht durch das Aufheizen oder Abkühlen der Hülle. Zum Aufsteigen muss der gesamte Ballon leichter werden. Es muss also „Ballast“ abgeworfen werden. Dieser ist in Form von Sand in Sandsäcken außen am Korbrand befestigt. Dieser wird dann mit Hilfe einer kleinen Schippe dosiert abgegeben. Es reichen oft 500g bis 1kg um den Ballon ins Steigen zu bringen oder abzufangen wenn er zu stark sinkt. Ist ein Gasballon erst einmal in der Luft, so kann er über viele Stunden, oder sogar mehrere Tage in der Luft bleiben.

Für Leistungsfahrten hat die Hülle einen Inhalt von 1000 Kubikmeter. Dann sind Fahrten von über 90 Stunden (derzeitiger Weltrekord von Wilhelm Eimers aus Duisburg) oder 3000 km Luftlinie vom Start bis zur Landung möglich. Während der Fahrt ist keine Zugabe von Treibstoff oder Treibgas möglich. Zum Landen des Ballons, wird der Deckel (Parachute) der Ballonhülle, durch eine Zugleine aus dem Korb heraus, leicht geöffnet. Somit entweicht etwas Gas aus dem Ballon und er verliert an Auftrieb. So kann der Ballon wieder landen.

Wir haben Ihr Interesse am Gasballonfahren geweckt, oder Sie möchten weitere Informationen über eine Fahrt in einem Gasballon erhalten? So melden Sie sich gerne per E-Mail unter info@fsv-muensterland.de


Gasballon fahren im Münsterland

Nur wenige Tage waren 1783 nach den Erfolgen mit den Heißluftballonen der Gebrüder Montgolfier vergangen als Professor Charles dem Gasballon den Weg bereitete. Ein Jahrhundert später erreichte Münster die Begeisterung für die Luft und am 18. Oktober 1909 beschreibt der Verein mit seiner ersten, um 20.15 Uhr eröffneten Versammlung die Geburtsstunde der gesamten Fliegerei in Münster und dem Münsterland.

Erster Ballonaufstieg in Münster mit dem Ballon „OSNABRÜCK“ am 12.12.1909. (Gasanstalt Albersloher Weg) Führer: Oberleutnant Hopfe.

Der Heißluftballon entwickelte sich in dieser zeit nicht weiter, sodass die ersten Ballonaufstiege in Gasballonen realisiert wurden. Ferdinand Eimermacher, der seine Prüfungsfahrt am 10. Juni 1910 ablegte prägte ebenfalls die Vereinsgeschichte maßgeblich. In 4. Generation danken wir der Ferdinand Eimermacher GmbH & Co. KG als großzügigen Förderer.

Taufe des Ballons „Münster I“ am 01.05.1910 an der Gasanstalt Albersloher Weg in Münster.

Als Traggas für den Aufstieg in einem Gasballon eignen sich Wasserstoff, Helium und „Leuchtgas“. Das Stadtgas oder Leuchtgas bezeichnet einen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts weithin üblichen Brennstoff, der zumeist in städtischer Regie durch Kohlevergasung hergestellt wurde. Heute werden Gasballone entweder mit unbedenklichem, jedoch extrem kostenintensiven Helium oder Wasserstoff betrieben. Trotz der Katastrophe der LZ 129 „Hindenburg“ am 6. Mai 1937 bei der Landung in Lakehurst beweisen besonders die Deutschen den sicheren und ungefährlichen Umgang mit diesem Gas.

Eine Fahrt im Gasballon wird von den Gästen und Piloten gegenüber dem Aufstieg im Heißluftballon ganz anders empfunden. Ein Gasballon kann sich tagelang vom Wind durch das Luftmeer treiben lassen. Ein Sonnenaufgang in absoluter Stille, der exclusive Charakter und die fabelhafte Atmosphäre an Bord werden zu einem Erlebnis von hoher Intensität.

An Verfolgungsfahrzeuge dachte man hier noch nicht. Mit einem Pferdefuhrwerk rollte man zur nächstgelegenen Bahnstation und war oft erst nach einigen Tagen per Dampflokomotive zu Hause.


Filmmaterial aus den Archiven: Und immer mit dem Wind – Gasballon Fahren in dem Jahre 1980

Dies ist einen Film über das fahren mit einem Gasballon in dem Jahre 1980. Der Film ist inzwischen 42 Jahre alt und wurde entsprechend digitalisiert.Heute sieht das ganze Prozedere für den Start eines Gasballons natürlich ein wenig anders aus.

Ein ganz besonderer Dank gilt unserem Vereinsmitglied Alfons Völker für diesen tollen Film!

Vorhang auf… Film ab…📽